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Und es geht doch: Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Ein dummes Märchen über Ernährung, gerade heute wieder in der Rheinpfalz zu lesen: Über biologischen Landbau können nicht alle ernährt werden, weil die Biobauern weniger produzieren. Dankenswerterweise hatten wir am 1. Oktober 2020 Herrn Blaul, den langjährigen Betreiber des Biolandhofs Morgentau, in Frankenthal zu Gast. So müssen zumindest wir nicht solchen Märchen aufsitzen…

In einer Veranstaltung im Rahmen der Aktion „Trendsetter Weltretter“, die in diesem Jahr unsere Ernährung zum Thema hat, informierte Biolandwirt Fred Blaul an einem Abend im Dathenushaus über eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Blaul, der sich im Studium mit der tropischen Landwirtschaft beschäftigte, war zunächst in der Entwicklungshilfe in Afrika tätig. Dort erlebte er, wie Menschen auf den Feldern im Sprühnebel stehen. Eine Landwirtschaft, die für Mensch und Natur verträglich ist, ist ihm seitdem eine Herzensangelegenheit.

Anfang der neunziger Jahre stellte er gemeinsam mit seiner Frau Ruth Zirker den Hof seines Vaters in Kleinniedesheim auf biologischen Anbau um. Seitdem wird auf dem Biolandhof Morgentau Gemüse auf ökologischer Basis angebaut. Die Erzeugnisse gibt es auch ab Hof: Dreimal in der Woche hat der Hofladen geöffnet, in dem eigene Produkte und die anderer Biohersteller angeboten werden. Die Nachfrage nach ökologisch angebauten Lebensmitteln, berichtete Blaul, steigt seit Jahren.

Skandale wie DDT in der Muttermilch oder Pestizid-Rückstände in der Babynahrung haben dem Biolandbau in den neunziger Jahren Auftrieb gegeben. Dementsprechend war es für Blaul am Anfang das Wichtigste, dass das Spritzen wegfiel. Seitdem produziert er sein Gemüse vollständig ohne Agrarchemie. Gründünger und organischer Dünger ersetzen diese auf seinen Feldern, zudem läßt sich der Düngerverbrauch durch vernünftige Fruchtfolgen und Wechsel der Kulturen verringern.

Auch die Zukunft der Landwirtschaft war Thema an diesem Abend. Viel zu schnell, so Blaul, verändert sich das Klima. Die Hitze begünstigt Schädlinge und die Trockenheit läßt die Ernteerträge schrumpfen. Dazu kommt, dass wir vorsichtiger mit der Ressource Wasser umgehen müssen: der Grundwasserspiegel sinkt und wir dürfen den Brunnen nicht noch mehr Wasser entnehmen. Intelligente Bewässerungskonzepte wie die Tröpfchen-Bewässerung, bei der weniger Wasser verdunstet, gibt es bereits.

Viele Sicherheiten, so Blaul, werden durch den Klimawandel infrage gestellt und die Landwirte müssten sich mit dem, was sie machten, neu erfinden. Auf dem Biolandhof Morgentau wird deshalb mit neuen und alten Gemüsesorten und veränderten Anbaumethoden experimentiert. So gehören „Exoten“ wie Süsskartoffel, Soja, Zuckermais, diverse Kürbisarten, Flowersprouts, Schalotten und bunte Kartoffeln zur Fruchtfolge. Über die enorme Vielfalt und die mitgebrachten Beispiele waren die Zuhörer sichtlich erstaunt.

Trotzdem allem ist Blaul zuversichtlich, dass wir in zwanzig Jahren anders mit unseren natürlichen Ressourcen umgehen: Stromerzeugung mit Lebensmitteln, wie es über die riesigen Felder mit Silomais geschieht, das muß nicht sein. Wenn dann auch die Tierhaltung reduziert wird, die große Flächen für Futtermittel in Anspruch nimmt, dann, so Blaul, kann unser Nahrungsbedarf vollständig biologisch gedeckt werden.

Ihren Hof haben Fred Blaul und Ruth Zirker schrittweise an ihren Nachfolger Benjamin Gräf übergeben, Ende dieses Jahres ist es dann endgültig soweit. Das Wissen und die Erfahrung von Biobauer Blaul geht nicht verloren, denn vielleicht geht er noch einmal in die Entwicklungshilfe.

Beitragsbild: Von Scott Bauer, USDA ARS – This image was released by the Agricultural Research Service, the research agency of the United States Department of Agriculture, with the ID K9152-1 (next)., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110700

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